„Das Leben ist Training“ – Im Gespräch mit Teesy über die Generation Maybe

Kritik an den jungen Leuten von heute hört man eigentlich immer nur von den anderen: den Älteren, Lehrern, Groß-, Schwieger- oder den eigenen Eltern. Der Musiker Teesy (23) steigt in seinem Song „Generation Maybe“ selbst in den Ring mit seiner Generation, die als verwöhnt und unentschlossen, zu anspruchsvoll und planlos gilt. Wir haben mit Toni ‚Teesy’ Mudrack über ihn und seine Generation gesprochen. An die richtet er klare Worte, wünscht sich mehr Kurrage, Hilfsbereitschaft und ein selbstbestimmtes Leben.

eventim: In einem Satz: Was wünschst Du Dir von der Generation Maybe? Es ist ja auch Deine Generation…

Teesy: Ich wünsche mir, dass wir den Sinn für unseren Nebenmann nicht verlieren, dass wir uns für andere aufopfern und mal wieder auf die Zähne beißen, auch wenn der Moment gerade mal keinen „Swag“ hat.

eventim: Wie viel Maybe steckt in Dir selbst?

Teesy: Eine Menge. Ich hab Skrupel, mich zu entscheiden und wohlmöglich von 2 Dingen eines zurücklassen zu müssen, um das andere zu bekommen. Da kann es manchmal ziemlich schwierig werden, wenn es heißt „dies oder das“. Ich bin allerdings, was die technischen Errungenschaften von heute angeht, ein wenig Anti. Ich hab zum Beispiel kein Smartphone, kein Whatsapp, kein Instagram. Auch wenn die Dinge bewiesenermaßen dein Leben erleichtern, finde ich, muss es auch Sachen geben, die Bestand haben. Ständig braucht man irgendwelche Updates, den neusten Flash-Player, das neuste iPhone, immer das nächste Upgrade. Schrecklich find ich das. Ein wenig Entschleunigung wär mal nicht schlecht. Einfach mal den Gang rausnehmen und mit dem leben, was man hat. Du rennst ja nur noch rum und versuchst irgendwie mitzuhalten. Jeden Tag knallt die nächste Abrissbirne in dein Leben und das wird ewig so weitergehen. Vielleicht muss man einfach öfter mal von alleine die Bremse ziehen, kurz aussteigen und Luft holen.

eventim: Wie bist Du zur Musik gekommen und wann wusstest Du, dass Du Musik zum Beruf machen möchtest? Was hättest Du mit Deinem Leben anfangen wollen, wäre es nicht die Musik geworden?

Teesy: Ich war in meiner Jugend immer umgeben von Musik. Sei es durch meine Eltern, meine Schwester, meine Oma, durchs Fernsehen oder durchs Radio. Ich hab immer schon gern auf dem Schulweg geträllert und Song-Texte auswendig gelernt. 2005 fing ich dann an, wirklich Musik zu machen, mich hinzusetzen, jeden Tag Lieder zu machen und zu komponieren. Das mit dem Beruf kam irgendwie schleichend. Noch ist die Musik ja nicht mein Beruf. Vielleicht aber meine Berufung. Und das reicht vorerst.

eventim: Wie sieht für Dich ein gemeistertes Leben aus? Wie macht man das Beste draus?

Teesy: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man das Beste draus macht. Ich lebe erst gute 23 Jahre. Ich entdecke immer noch, jeden Tag lerne ich dazu. Vielleicht bekomme ich es irgendwann raus, wer weiß. Ein gemeistertes Leben muss, denke ich, kein meisterhaftes Leben sein. Ich glaube, wenn man irgendwie Erfüllung finden kann, sei es durch Sinnhaftigkeit oder die Geborgenheit eines anderen Menschen, dann kann man ein Leben tatsächlich meistern.

eventim: Stichwort Karriere: Was ist Dir wichtiger, Erfolg oder Authentizität?

Teesy: Ist ’ne schwierige Frage. Wenn ich mal auf der Kante stehe, würde ich vielleicht anders denken, aber bis jetzt ist mir die Authentizität noch sehr wichtig. Mir ist nicht wohl dabei, etwas vorzugeben, das ich nicht bin.

eventim: In Deinem Song „Generation Maybe“ zeichnest Du ein Bild einer unmotivierten Generation. Was hat Dein Leben am meisten beeinflusst? Was treibt Dich an? Was bremst?

Teesy: Zu Beginn meines Lebens hat mich, denke ich, der Fußball sehr stark beeinflusst. Ich hab 14 Jahre bei der SG Stern Kaulsdorf, einem kleinen Verein im Osten Berlins, gespielt und dort viel auf menschlicher Ebene gelernt. Eben wie man im Team handelt, wie man Verantwortung übernimmt, wie man sich für andere einsetzt, wie man einfach alles für die Gemeinschaft tut und daraus sein eigenes Glück zieht. Die Zeit war sehr prägend und wichtig für mich.Am meisten treibt’s mich an, wenn in einer Gruppe von 2 oder mehrere Menschen etwas passiert, das allein nicht funktionieren würde. Wenn einer in der Band anfängt zu jammen, die anderen dann einsteigen, der nächste freestylet und wir eine Energie erzeugen, die einen übermannt und mitreißt. Oder wenn man sich beim Aufnehmen einfach gegenseitig mit Gedanken befruchtet, wenn die Ideen nur so aus den Wänden schießen und man den Moment, in dem der Song fertig ist und ganz frisch an die Ohren kommt, so fühlt, dass man Gänsehaut bekommt und man nicht aufhören kann, zu grinsen.

Gebremst bin ich von zu viel Verkopftheit. Meistens meine eigene. Ich frag mich oft schon vor dem eigentlichen Song-Machen, für was das jetzt gut ist. Welches Projekt, in welcher Weise kann das Lied verwendet werden, was schreib ich? Das hemmt mich arg. Mir ist letztens bewusst geworden, dass man als Musiker immer dahin zurück muss, sich selbst zu trainieren und zu üben und dass es keine Schande ist, wenn ein Song oder ein Text mal nicht so geil ist. Denn was hast du am Ende gemacht? Du hast dich damit beschäftigt, du hast trainiert. Wie beim Fußball. Man geht nicht in jedes Training und sagt „Heute hol ich den Titel“. Es geht ums Üben, ums Besser-Werden. Und so will ich das sehen.

eventim: Thema Gesellschaft: Was müsste sich ändern, damit junge Leute wieder mit mehr Perspektive durchs Leben gehen und mehr als nur das Nötigste zum Ganzen beitragen? Geht es den Leuten einfach zu gut?

Teesy: Kann schon sein. Darüber hab ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht. Ja vielleicht geht es einem gerade so gut, dass man denkt „Hm, eigentlich müsste sich was ändern, aber verdammt, mir geht’s doch gar nicht so schlecht.“ Ich find’s schwer, in der heutigen Welt noch konstant für ein Thema zu brennen. Ich hab zum Beispiel mal versucht, immer an dieser Montags-Demo-Ken-Jebsen-Sache dranzubleiben, aber irgendwann verschwand sie einfach aus meinem Kopf, weil ich von so vielen anderen Dingen überflute wurde.Ja, die machen das schon ziemlich clever da oben. Halt die Menschen beschäftigt, gib ihnen Fernseher, Internet, Smartphones, all den ganzen Kram, der sie davon abhält, sich für ne Minute umzusehen. Wir sind Weltmeister. Das kommt mir schon so extrem lange her vor. Dazwischen ist schon wieder so viel passiert, das ist Wahnsinn. Das hat überhaupt keinen Wert mehr. Mittendrin werden irgendwo Bomben geworfen. Aber das hören wir eh jeden Tag, also warum darüber aufregen, solange es nicht bei uns geschieht? Schwer, in dieser Welt Prioritäten zu setzen und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Ich beneide die Jugendlichen nicht, die heutzutage in die Welt gelassen werden.

eventim: Was erwartest Du Dir von Deinem noch jungen Leben in der Zukunft? Hast Du einen Masterplan, an dem sich andere ein Beispiel nehmen könnten? Oder sagst Du: einfach mal schauen…? Wie viel Maybe ist erlaubt?

Teesy: Nein, ich hab keinen Plan. Ich will ’ne Familie gründen, ’n Haus bauen und versuchen, ein guter Mensch zu sein. Mehr weiß ich nicht.

eventim: Vielen Dank für das Interview!

Es gibt keine bevorstehenden Shows.

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Ein Kommentar zu „Das Leben ist Training“ – Im Gespräch mit Teesy über die Generation Maybe

  1. Yill 4. Dezember 2014 at 20:18 #

    Ich hatte von teesy noch nie was gehört bis ich mit meinen 2 Töchtern und meiner Freundin beim Cro Konzert war. Ich hätte lieber mehr von ihm gehört. Ich find seine Einstellung für seine 23 Jahre großartig.

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